Schonmal gefühlt
Eigentlich ist es immer wieder das Gleiche. Irgendjemand kontaktiert mich, ich fühle mich unwohl, ich ziehe mich zurück, ich fühle mich einsam, ich glaube, dass keiner mich mag. Dieser Kreislauf kehrt regelmäßig wieder und noch weiß ich nicht, wie ich ihn unterbrechen kann.
Es ist mir peinlich unter Menschen zu gehen. Ich bin nicht bereit dazu. Solange ich noch nicht alles auf die Reihe bekommen habe kann ich mich einfach nicht blicken lassen unter der (Achtung Denkfehler) Menge an schönen, erfolgreichen, interessanten und dynamischen Menschen. Ich schäme mich für mich.
Das Bewusstsein, dass obrige Gedanken reinster Bullshit sind hilft mir leider gar nicht weiter. Etwas wie unsichtbare Fesseln hält mich zurück – bl0ß nicht noch mehr blamieren – bloß nicht zeigen, dass man ein Mensch mit Fehlern ist, der eben nicht alles unter Kontrolle auf die Reihe bekommt.
Je mehr ich diese Gefühle realisiere und zulasse, desto schlimmer wird der Selbsthass und die Hoffnungslosigkeit. Da sehe ich die Spirale, die mich nach unten zieht. Vermeidung, fehlende Bestätigung, intensivere Vermeidung – es führt zur Selbstaufgabe.
Rausgehen sollte ich, ja – ich weiß. Unter Menschen muss ich. Aber ich kann nicht. Es ist so anstrengend und in jedem Gesicht, in jedem Kopf sehe ich die Häme, den Spott. Belächeln kann man das fette Ding, welches nichts auf die Reihe bekommt. Schon fast ein Jahr fertig ist mit dem Studium und immer noch keinen Job?!! Faul, dumm, seltsam, … Die Palette an Vorwürfen ließe sich beliebig fortsetzen.
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Arbeit an Therapiezielen
Damit ihr vielleicht mal eine kleine Idee davon bekommt, was ich gerade mache:
In den letzten Wochen habe ich alle meine Blogeinträge, die sich mit privaten Dingen beschäftigen nach kritischen Momenten und Problemen durchforstet und dazu in zwei Dateien Anmerkungen dazu gesammelt.
In Datei Nummer eins habe ich einfach Statements gesammelt, die als Ziele für den Klinikaufenthalt bzw. die weitere Therapie dienen könnten. Hierbei habe ich keinerlei Vorauswahl getroffen und auch nicht auf Doppelnennungen geachtet.
Parallel dazu habe ich eine zweite Datei mit ausführlicheren Anmerkungen und Gedanken erstellt, die mir bei der Aufstellung der Therapieziele im Kopf herum gespukt sind. Diese enthalten vor allem weitere Erläuterungen zu den Zielen.
Die Therapieziele habe ich anschließend ausgedruckt und ausgeschnitten. Und auch schon mal grob vorsortiert. Ich möchte das Ganze in eine Ordnung bringen, so dass sich für mich ein besseres Bild ergibt und ich auch die Zusammenhänge sehe. Später kann ich die Ziele dann hoffentlich in eine kompaktere Liste zusammenfassen und sie meinem Therapeuten (bzw. in der Klinik) präsentieren – auf dass wir die Probleme hoffentlich angehen können.
Abgesehen davon, dass es fürchterlich anstrengend ist und ich emotional durch heiße und kalte Phasen gehe, kann ich mich an der Struktur der Planung ganz gut festhalten. Falls es zu schlimm wird, schalte ich alles aus und gehe nach Schema F vor, ohne mir selbst Aufmerksamkeit zu schenken (Nicht toll, ich weiß, aber funktioniert für die Aufgabenstellung).
Ich hoffe sehr, dass mich das weiterbringt. Ich merke auf jeden Fall, dass die Dinge, die jetzt dort stehen zu der Kategorie „hier wird es schwierig“ gehören. Und das sind genau jene Dinge, die ich angehen muss um von meinen Dämonen und der Depression loszukommen.
Ich glaube, ich muss in einem kontrollierten und geschützten Umfeld die Kontrolle verlieren, loslassen und mich all den schmerzhaften Dingen annähern, damit ich von dem, was mich jetzt bessessen hält loskomme. Solange ich kontrolliere, manipuliere und alles was rauskommt filtere werde ich nicht an meine eigentlichen Gefühle kommen und damit auch nicht in der Lage sein, Gewesenes zu verarbeiten.
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Nein!
Schon wieder fange ich damit an. Wieder vergleiche ich mich mit anderen. Sehe, wie gut sie mit einer Situation umgehen, wie sie ihr Leben auf die Reihe bekommen und mache mich selbst fertig. Und dann starte ich wieder, wie ein blindes Huhn wahllos hinterher rennen zu wollen, ohne mir Gedanken über die Richtung zu machen. Blinder Aktionismus.
C. wird nächste Woche in die intensive Bewerbungsphase eingehen. Das macht mich neidisch, vor allem weil ich sehe, dass sie mit ganz ähnlichen Problemen wie ich zu kämpfen hat (was die Angst und das Trödeln angeht) und sie bewältigt. Innerlich drängt alles in mir dazu, endlich aufzustehen und mindestens gleich zu ziehen? Ich kann doch nicht so versagen! Ich kann nicht schlechter sein als sie.
Blödes Vergleichen.
Ihr Weg ist ihr Weg und er hat nichts mit dem meinen zu tun! Ich darf nicht schon wieder weitergehen ohne Dinge geklärt zu haben. Es ist wichtig für mich. Diese Pause ist wichtig für mich. Innehalten und überlegen, was ich will und was ich brauche, um es umzusetzen.
Dazu kommen die Gespräche mit meinem Freund. Über die Zukunft, über unser Potential, über das, was wir können, was wir gelernt haben. Die Dinge, die wir wohl automatisch in unserem Studium mitbekommen haben und die uns eventuell für Dinge qualifizieren, denen wir uns emotional nicht gewachsen fühlen.
Wenn wir darüber reden, sehe ich die Chance, die Möglichkeiten und würde am liebsten losrennen. Will ich doch mehr – mag ich es doch allen zeigen. Ihnen beweisen, dass ich etwas besseres kann, etwas besseres bin. Dass ich alle überflügeln kann.
Aber diese Seite meines Ich’s vergisst, dass ich damit weder glücklich werden würde, noch dass ich es überhaupt erreichen könnte. Nicht, solange es nicht mein Weg ist. Solange ich mich dafür entscheide und nicht irgendwelche Trotzinstinkte mich dahin treiben.
Und die Gewissheit „Wesentlich mehr erreichen zu können, wenn ich mir nicht selbst im Wege stehen würde!“ macht es nicht einfacher. Moment – ist es wirklich eine Gewissheit? Vielleicht …
Es macht keinen Sinn mehr darüber zu grübeln…
Ich habe Wichtigeres zu tun.
Die Ziele für die Klinik sind viel viel wichtiger! Denn ich möchte etwas ändern und ich möchte die Problem angehen und diesen ganzen Psychoterror, den mein Ego veranstaltet irgendwann einmal ad akta legen können!!! Dafür kämpfe ich – dafür nehme ich mir jetzt verdammt noch mal die Zeit.
Auch wenn es sich so anfühlt als ob alle sich weiterentwickeln, die Welt sich weiterdreht und ich zurück bleibe – dem ist nicht so! So viel hat sich schon verändert in den drei Jahren der Therapie und auch jetzt entwickle ich mich weiter mit jedem Tag an dem ich an mir arbeite. Und es ist so viel Wichtiger für meine Zukunft es jetzt zu machen - ich will nicht nochmal so zusammenbrechen wie vor drei Jahren!!! Ich möchte mein Leben in die Hand nehmen und aus meinen Fehlern lernen, auf dass ich vielleicht irgendwann die ganze Last, die ganz Sorgen und Ängste von meinen Schultern schmeißen kann!!!
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Loss of Identity
Warum reagiere ich so komisch, wenn ich erfahre, dass eine Freundin sich plötzlich für die gleichen Bücher interessiert wie ich – wenn sie sie list und sogar gut findet? Sollte ich mich nicht freuen? Endlich jemand, mit dem ich über die Bücher diskutieren könnte.
Anstatt dessen, dieses komische Gefühl. So als ob mir jemand etwas weg nimmt. Meine Bücher. Etwas, was mich auszeichnete. Dinge, die mir wichtig sind und die glücklicherweise niemals Gegenstand einer Konkurrenz werden konnten.
Jetzt nicht mehr. Ich habe Angst. Ich habe Angst, dass mir die Träume und Utopien, die an diesen hängen, zerstört werden. Dass es nieder gemacht wird – oder noch schlimmer: Dass andere es „besser beherrschen“.
Albern, nicht wahr? Wie kann man so etwas subjektives wie Geschmack bei Büchern als „besser beherrschen“ auch nur annähernd in eine Kategorie „besser beherrschen“ schieben?
Aber je mehr ich versuche es zu zulassen, und darüber nachdenke. Es ist diese Angst und die Angst ist essentiell. Ich habe Angst, diese Dinge zu verlieren – mich damit wieder ein wenig zu verlieren. Gepaart mit dem Gedanken, dass ich es „eh nicht richtig machen kann“ bin ich darauf angewiesen, Dinge „nur für mich“ zu haben. Weil ich sowieso immer den Kürzeren ziehe.
Dieser Gedanke tut weh – und ein wenig (mehr) Wahrheit muss auch darin stecken. Endlich – mal wieder Tränen, die es an die Oberfläche schaffen.
Ich fühle mich nicht in der Lage mich zu behaupten – diese Fähigkeit ist vollkommen unterentwickelt. Ich kann keine Meinungen vertreten – nicht gegen einen anderen Menschen. Vielleicht habe ich eine andere Meinung, aber … sie bleibt bei mir.
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn, und das Ende ist dort.Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.Rainer Maria Rilke
Und ich kann nicht mit der Bestimmtheit von vielen Menschen umgehen. Wie Gewehrkugeln prallen die Worte auf meine Seele und verletzen sie. Es ist mir noch nie wirklich so bewusst geworden. Es ist wirklich extrem unangenehm für mich mit Menschen zu reden, die so bestimmt sind. Diese Intensivität der Worte, sie macht mich wehrlos. Darum ziehe ich mich dann zurück, verstecke mich in mir selbst. Es macht mir Angst.
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Gedankenfetzen
Ich sollte stolz sein.
Bin ich nicht.
Ich sollte leben.
Mach’ ich nicht.
Ich sollte unter Menschen geh’n,
Will ich nicht.
Aus mir spricht eine Menge Trotz und „Ich weiß es nicht!“.
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. Ich darf auf keinen Fall vergessen den Therapeuten wegen der Mail zu fragen. Bedeutet aber auch, dass ich nur noch 2 Tage habe um die Therapieziele und all die Gedanken zu ordnen.
. Ich fühle mich lächerlich. C. hat mir heute davon erzählt, wie mühseelig es für sie ist, sich nicht aufraffen zu können. Ihr geht es wie mir. Und dennoch bekommt sie ihr Leben geregelt. Für sie ist sie ist es auch nicht besonders leicht.
. Gestern hatte ich ein Telefonat mit D. Sie hat immer noch kein Vordiplom. Verwundert mich nicht wirklich. Warum ist sie nicht bei der Kunst, bei den Medien geblieben? So viel verschwendetes Talent. Hoffe, dass sie ihr Leben auf die Reihe bekommt. Ich kann ihr nicht helfen, sie würde es nie einsehen – wir sind zu unterschiedlich.
. Der Unterschied zwischen den Daheimgebliebenen und den Davongezogenen ist manchmal eklatant. Wenn ich D.’s Erzählungen lausche – ist dort die Zeit stehen geblieben? Wie vor 8 Jahren – die gleichen Leute, die gleichen Probleme. Welche Zukunft?
. Mache ich es besser? Ich lebe nicht – ich – warte. Dabei geht es mir eigentlich ganz gut – keine Konfrontationen, keine Ängste. Lasst mich schlafen.
. Ich bin müde. Vorgestern bis 4Uhr, gestern bis 2 Uhr wach gewesen und heute um 7 vom Kater aus dem Bett geschmissen worden. Recht so. Ich muss morgens früher aufstehen.
. Ich kann mit C. nix anfangen.Wir haben keinerlei ähnliche Interessen. – Lange haben wir uns darüber unterhalten, dass wir den gleichen Wissens- und Weiterkommensdrang haben, Idealisten sind und definitiv etwas bewegen wollen. – Ihre Erzählungen langweilen mich und ich langweile sie mit meinen. Warum waren wir nochmal befreundet?
. Morgen ist Donnerstag
. Ich bin kein guter Freund – habe es aber immer gedacht. Nein, ich war nur ein guter Freund für jene, die mir keine guten Freunde waren. Oder so.
. Was war nochmal der Sinn des Lebens?
. Warum müssen so viele Kinder leiden?
. Fliege von rechts hinten
. Müde
.
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Anerkennung und Konkurrenz
Jetzt ist einmal wieder so ein Moment in dem ich mich fürchterlich einsam, wertlos fühle. Ich merke, dass ich ständig darauf warte, ob nicht vielleicht eine neue Mail, ein neuer Kommentar kommt, die mich irgendwie mit der Außenwelt verbinden. Am Besten natürlich in Form einer Frage, die ich beantworten kann – mich dabei völlig auf die „perfekte“ Antwort konzentrierend. Oder aber ein Lob, dass meine Antwort doch so geholfen hat.
Ich fürchte, ich bin von diesen Komplimenten oder zumindest dem Wissen, dass ich mein Bestes gegeben, habe ein wenig abhängig. Und es ist so ungesund. Und so nutzlos. Ich kann darauf nicht mein Selbstvertrauen aufbauen.
Irgendwann einmal in der Vergangenheit stellte ich bereits fest, dass ich sehr nach Anerkennung strebe, weil ich diese fälschlicherweise für ein Zeichen halte, dass ich geliebt werde. Dieses Bedürfnis ist tief verwurzelt. So selbstbewusst ich vielleicht in meinem Leben gewirkt haben mag – ich brauchte immer irgendeine Form der Bestätigung. Vielleicht nicht immer die offensichtliche, nein, eher im Gegenteil.
Ich habe mir immer Fixpunkte gewählt, Menschen an denen ich mich gemessen habe. Und wenn ich in diesem Vergleich – in irgendeinem Bereich gut Abschnitt war mein Weltbild okay. Schlimm wurde es, wenn mich diese Menschen auch noch in denen (in meinen Augen recht wenigen Punkten) ausstichen, die eigentlich meine Expertise waren. Natürlich freute ich mich oberflächlich für diese (ja, es waren immer) „Freunde“. Aber innerlich zerbrach etwas in mir.
Es war mir immer so wichtig, wenigstens in irgendetwas besser (für mich gleichbedeutend mit besonders, außergewöhnlich) zu sein. Ansonsten war ich doch immer so fürchterlich normal mit dem Makel der falschen „Klasse“ (Ich weiß, es ist albern, ich bekomme das Klassendenken nicht aus meinem Kopf – in meiner Heimatstadt war das aber auch einfach irgendwie so – da gab es die Neureichen, die Arbeiterkinder, die Heimkinder und Nichtmuttersprachler).
Und der elitäre Freundeskreis, der mich so reizte und in dem ich zwar war, aber von den meisten nur von oben herab betrachtet wurde. Die Sprachniete, der Naturwissenschaftler, der Computernerd unter den Literaten, den Sprachbegabten, den Wortkünstlern. So viel habe ich zwar gelernt in dem verzweifelten Versuch anerkannt zu werden, doch bin ich immer wieder gescheitert. War maximal das Unterhaltungsobjekt, welches für die Momente genutzt werden konnte, wenn so gar nichts anderes zu tun war.
Diese Erinnerungen sitzten fest in meiner Seele. Letztendlich ist es nur eine Wiederholung der Tatsache, dass ich immer versuchte so toll zu sein wie meine Geschwister, welche mir so viele Jahre vorraus waren und sind. Manchmal habe ich das Gefühl, nichts schaffen zu können, wenn dort nicht ein Mensch ist, den ich niemals erreichen kann. Aber für welchen Preis bringt es mich zu Leistungen? Ich bin dem nicht mehr gewachsen. Habe ich es doch die letzten Jahre im Studium gesehen. All die gesunden, intelligenten Menschen, welche Sport, Sprachen, Hobbies, Reisen und Begeisterung für ihre Studien so einfach vereinten.
Zu viele Gedanken in meinem Kopf … vielleicht kann ich sie mit dem Regen davon spülen …
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Dieses Gefühl [Triggergefahr]
Nicht wirklich kann ich es beschreiben. Ist es Panik? Eine seltsame Unruhe, die mich befällt. Nicht wirklich intensiv und doch für mich, je länger es andauert, immer unerträglicher. Ich kann es nicht wirklich definieren. Es ist fast nur körperlich. Irgendwas mit dem Atmen – ich muss mich selbst daran erinnern, dass ich tief ein- und ausatme! Kein wirklicher auslöser.Ein bisschen habe ich das Gefühl, dass ich weinen könnte, wenn etwas – wenn das, was da brodelt an die Oberfläche gelangen könnte. Ist es Angst? Ist es Traurigkeit? Ich habe sowas von keine Ahnung. Ein wenig ist dort dieser Fluchtinstinkt. Rennen, in ständiger Bewegung sein könnte gegen diese Unruhe helfen. Doch auf der anderen Seite das Widerstreben gegen die Welt da draußen – ich will nicht raus.
Jetzt versuche ich es eben mit schreiben. Mich zu beruhigen, herauszufinden, was dies ist. Eben spulte sich eine Unterhaltung mit meinem Therapeuten in meinem Kopf ab. Die Überlegung ihn zu fragen, ob ich ihm Dinge vor der Stunde via Mail schicken könnte. Die Antwort darauf, die recht wahrscheinliche Zurückweisung. Die Erinnerung daran, wie er betonte, dass er mich nicht abschieben wolle, als er mir vorschlug eine stationäre Behandlung in betracht zu ziehen. Niemals hätte ich daran gedacht – doch er hat es gesagt und jetzt bin ich mir fast sicher. Warum sollte mir jemand etwas Gutes wollen?
Die Gedanken rasen – nicht oberflächlich. A glimpse of .. whatever. Die Freunde, die Beziehungen, die so anstrengend sind. Die ich lieber nicht … die Nachbarn, die so laut sind und deren „Lebensfreude“ ich ständig unter die Nase gerieben bekomme. Der Wind, das Wetter. Wie schön dieses intensive Wetter ist. Kann ich nicht ein Vogel sein oder ein Blatt, mich vom Wind davon tragen lassen, in die Lüfte getragen, durch die Luft gewirbelt. Auf dass jegliche Gedanken abgeschüttelt werden und einfach in ihrer Nichtigkeit davon getragenwerden?
Könnte ich doch wenigstens weinen, könnte ich doch wenigstens richtig fühlen. Gedanken an die Befreiung, den Armen, dem Fleisch, welches geöffnet wird. Vollkommen gefühllos. Unbeteiligt fasziniert surreale Situationen beobachten – die sich in meinem Kopf abspielen. Die nichts mit der Realität zu tun haben – die so niemals funktionieren würden. Doch schon die Vorstellung. Welch schönes Grauen … wie kann ich nur in so etwas so viel Schönheit sehen?
Am einfachsten wäre es jetzt, mich hinzulegen und zu schlafen. Eine Richtersendung die mich beschallt – die meine Gedanken beschäftigt während mein Körper mir die Ruhe schenkt, die ich mir so wünsche. Ich darf nicht. Ich muss doch irgendwie wieder einen normalen Schlafrhytmus aufbauen. Ich würde so gerne. Welch Erlösung wäre es.
Ich lasse mich treiben. Wahrscheinlich würde es helfen, wenn ich den Computer herunterfahren würde, wenn ich mich in der Küche um den Abwasch kümmern würde. Doch der süße Wahnsinn – irgendetwas hält mich. Es ist wenigstens ein Gefühl, eine Empfindung. Vielleicht kommen die Tränen noch irgnedwann.
Und das alles in mir drinnen. Es muss raus… es muss raus, damit ich es besiegen kann – damit andere es sehen und mir geholfen werden kann.
Ich kann gerade nicht nach einem Bild suchen – oder highlighten… es geht gerade nicht… ich will da raus .. ich will aus mir raus.
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Erwartungen – Beziehungen
Undefiniertes. Gedanken, die nur kurz Aufblitzen. Über Freundschaften, über Kontakte, über Verbindungen. Und warum es mir doch ohne sie so viel besser geht (irrational). Die Enttäuschungen, die ich in zwischenmenschlichen Beziehungen erfahre, sobald ich nur ein kleines bisschen zulasse.
Warum?
Weil ich gleich alles erwarte. Es geht nicht von 0 auf 100. Ich kann nicht erwarten, dass eine Person, die ich die letzten paar Jahre aus meinem Leben ausgeschlossen habe nach einem intensiveren Gespräch und einer persönlichen Mail plötzlich wieder eine intensive Beziehung mit mir eingehen möchte. Es kommt dann eben nur eine verhaltene Antwort. Vielleicht war aber auch gerade keine Zeit oder viele Dinge, die ich dachte mitgeteilt zu haben stehen in den Tönen dazwischen, Töne, die man im Text nicht unbedingt erahnen kann. Die Sache mit den Erfahrungshorizonten. Sie wissen nicht, wie ich mich fühlte, wie ich reagierte, was ich erwarte, welche Worte ungeschrieben bleiben werden.
In solchen Momenten möchte ich die Beziehung am liebsten komplett aufgeben. Was bringt sie mir schon. Ich muss mich verstellen, auf lieb Mädchen machen, ständig zuhören und eine gute Freundin sein und zurück bekomme ich – in den Augen dieses Egos – nichts.
Das ich niemals Forderungen gestellt habe lasse ich – lässt es – dabei vollkommen außer acht. Ich mache mir doch schließlich auch die Mühe ihre Bedürfnisse zu erspüren (bildet es sich ein), was nicht gerade unanstrengend ist.
Ich dachte immer, es muss so sein.
Aktuell kann ich keine Beziehungen zu Menschen aufbauen. Es ist mir zu anstrengend. Freundschaften sind Verantwortung, Freundschaften sind verbindlich. Nie habe ich gelernt, dass es ein ausgeglichenes Geben und Nehmen sein könnte – oder aber, dass man einfach nur so bekannt ist. Für den Moment, Zeit zusammen verbringt – einfach so.
Für mich muss alles immer irgendwie „meaningful“ sein. Ansonsten ist es nur eine große Heuchelei. Ich wollte nie so sein wie die anderen – ich wollte immer intensive Freundschaften haben, sich verstehen bis auf den letzten Gedanken. Nicht oberflächlich sondern allumfassend. Auf Dauer kann das nicht gut gehen – wer hält schon diesen Druck aus.
Das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt über den ich noch ein wenig nachdenken muss – auf jeden Fall etwas, was sich ändern muss, damit ich irgendwann glücklich werde. Ich brauche Beziehungen und Menschen und Kontakte – auf Dauer will ich nicht mehr mit dieser Einsamkeit leben müssen :/
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Ich kann das nicht
Gestern abend war mal wieder so eine seltsame Situation. Über den Kurs, bei dem ich aktuell helfe bin ich mit einem sehr netten Herren ins Gespräch gekommen, dessen Tochter wohl ähnliche Interessen wie ich habe. Wir hatten dann am Dienstag eine Übungsstunde zu flickr. Er hatte dort einen Account erstellt und auch fleißig Bilder hochgeladen. Gestern Bilder von einem Ausflug zu einem Schloss. Unheimlich schöne Bilder. Um mich kurz zu fassen: es stellte sich heraus, dass die Bilder von seinem zweiten Kind waren. Zusätzlich dazu erzählte der Vater stolz, dass sein Sohn Schriftsteller sei und sehr künstlerich talentiert (stimme ich zu, die Bilder waren bezüglich Motivauswahl und Bildkomposition einfach nur „beautiful“!) und überhaupt.
Irgendwie löste dieses Gespräch in der Nachwirkung bei mir etwas aus. Eigentlich war ich in einer recht positiven Stimmung. Hatte ich doch gestern mit einer Freundin gesprochen und erreicht, dass diese aus ihrem Motivationstief herauskam. Außerdem ein wirklich liebes Kompliment von ihr bekommen, so dass ich mich für einen Moment wertvoll und nach „Ich kann etwas schaffen“ fühlte. Nach einer etwas längeren Computersession – dem üblichen „Ich schaue ein paar Videos, lese Newsfeeds und suche Inspiration“ machte ich mich auf ins Bad um mich für’s Bett fertig zu machen.
Und instantan war dort wieder diese graue Masse, die mich umschloss. Das Gefühl, es niemals zu etwas zu bringen, so wertlos und untalentiert zu sein. Ein nichts, ein Niemand. Nicht so artikuliert, wie ich dies hier zu „Papier“ bringe – ein diffuses Gefühl schlecht zu sein, ständig hinter Etwas – einer „Genialität“, einem Können – herzuhecheln, welche ich niemals erreichen werde. Und damit einhergehend natürlich die übliche Traurigkeit und der Selbsthass.
Habe dann meinem Freund gesagt, er solle mich bitte in den Arm nehmen. Erzählen konnte ich ihm nicht wirklich von meinem Gefühl. Habe es versucht aber das war nicht wirklich erfolgreich. Erstaunlicherweise sorgte seine Reaktion dafür, dass es irgendwann „Klick“ machte und etwas in mir umschwenkte. Von einem auf den anderen Moment war alles weg. Es war mir wieder egal. Ich fühlte mich nicht mehr traurig oder hilflos, wütend oder wertlos – ich agierte nur noch. Es war irrelevant. Vielleicht die Trotzreaktion „Ich soll mich nicht so anstellen? Na gut, dann stelle ich mich halt nicht mehr an! Verpiss dich, mir geht’s gut!“
So wenig es mich gestern tangierte, so sehr macht mich das berichten darüber traurig. Es ist doch genau das, was ich verhindern wollte – ich will doch wieder lernen, meine Gefühle zu zu lassen. Ich will nicht immer in den Funktionieren-Modus wechseln, bei dem mein Ego mir für sämtliche Gefühlsregungen und „Mimosereien“ eine Ohrfeige verpassen möchte, weil ich mich „nur anstelle!“.
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Borderline: Das Selbsthilfebuch
Aktuell lese ich noch ein Buch über Borderline, dieses Mal „Borderline: Das Selbsthilfebuch“ von A.Knuf, C.Tilly, einfach nur um mir eine fundiertere Meinung bilden zu können. Nachdem ich die Diagnose meines Therapeuten nach (oberflächlicher) Lektüre des letzten Buches sehr stark anzweifelte bis ausschloss, habe ich beim Lesen dieses Buches ein ganz komisches, anderes Gefühl. U.A. fühle ich mich seltsam betroffen und es gibt Passagen, die ich so dermaßen unterschreiben könnte.
Natürlich weiß ich, dass das prinzipiell noch nichts heißen muss. Und das Angenehme bei diesem Buch ist, dass ich das Gefühl habe, dass es die ganze Problematik nicht so harsch angeht, nicht alles in Gut und Böse einteilt und Abstufungen einführt, die Schwammigkeit des Ganzen und die Verwirrung – irgendwie so. Es scheint ein bisschen dahinter zu schauen und nicht nur die offensichtlichen Dinge aufzulisten. Bei mir herscht eine riesige Diskrepanz zwischen meinem Gefühl und Verhalten gegenüber der Außenwelt.
Sehr wiedergefunden habe ich mich u.A. in der Beschreibung der Instabilität des Selbstbildes, ein Kriterium, das ich nach Beschreibungen in dem anderen Buch und auch nach diversen Internetseiten von mir als „komplett nicht zutreffend“ abgestempelt hatte. Ein paar Beispiele
[...] Viele Betroffene versuchen daher ihr Verhalten und Erscheinungsbild immer wieder nach den Erwartungen ihrer Umgebung zu richten und verhalten sich im Kontakt zu unterschiedlichen Menschen grundverschieden. [...]
Das anschließend erwähnte Beispiel von den Bekanntenkreisen, die so grundverschieden sind, kenne ich nur zu gut. Und es war immer so schlimm, dazwischen zu stehen und wahnsinnig schwer – eigentlich nicht möglich, alles unter einen Hut zu bringen.
Ähnliches gilt für folgende Aussage:
Borderline-Betroffene sind auf den ersten Blick sozial gut integriert und »funktionieren« nach außen gut, sind innerlich aber »löchrig wie ein Schwezer Käse«. Ihre vermeintliche Unabhängigkeit ist meist nur eine »Pseudoautonomie«.
oder
Ebenso problematisch ist für viele Betroffene die Einschätzung ihres Könnens. Die emotionale und intellektuelle Leistungsfähigkeit klaffen vielfach auseinander.
Ja! Jetzt, wo ich das so schwarz auf weiß sehe – das könnte der Grund sein, wieso ich so große Probleme habe, mir eine Stelle zu suchen, auf Stellenanziegen zu antworten. Dieser ständige Selbstzweifel, die dauernden Wechsel zwischen dem Gefühl der Überforderung (emotional) und der Angst vor der Unterforderung (intellektuell - nicht das ich irgendwas könnte, oder intelligent wäre oder so… ) – sorgt dafür, dass ich in eine Starre verfalle und lieber gar nichts mache. Bloß nicht in die Situation begeben müssen, in der diese Unsicherheit, dieser Kampf auftaucht, den ich nicht kontrollieren kann.
Eine andere Passage kam mir auch gruselig bekannt vor:
Viele Borderline-Betroffene haben gar nicht das Gefühl, krank zu sein. Sie fragen sich, ob sie nicht vielleicht nur »simulieren«, wenn sie sich hin und wieder so schlecht fühlen und glauben, das Leben keine Sekunde länger aushalten zu können, obwohl sie gleichzeitig an ihrem Arbeitsplatz Höchstleistungen erbringen. Sie haben das Gefühl, in einem »gigantischen Theaterstück« mitzuspielen, aus dem sie jederzeit aussteigen können. Sie fragen sich dann, ob sie nicht doch kerngesund sind und das merkwürdige Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, durch mehr Selbstdisziplin o.Ä. loswerden können.
Bis auf die Sache mit der Höchstleistung – dazu bin ich und war ich nie fähig! – könnte es fast ein Teil meiner Gedankenverarbeitung sein. Oder genauer betrachtet ist es das (Habe den Artikel geschrieben, bevor ich anfing dieses Buch zu lesen!!). Gerade seitdem ich mich aktiver mit der Möglichkeit der Diagnose auseinandersetze und die Sache mit der Klinik begonnen hat sich das Gefühl zu simulieren und »mich nur anzustellen« extrem verstärkt.
Seit dem Moment, in dem jemand auf mich und mein Ego zugetreten ist und gesagt hat, so – jetzt kümmern wir uns mal darum und schaun mal, wie wir etwas ändern können – auch wenn dies bedeutet, dass wir uns mit den unangenehmen Dingen auseinander setzten. Wir kommen dir, liebes Ego, ein bisschen näher. Und das Ego versucht alles um die Nähe zu unterbinden, Nähe = Gefahr (Nicht dass es sich nicht gleichzeit nichts anderes wünscht – nun ja..)
Bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich von der Sache halten soll. Irgendetwas in mir weigert sich gegen diese Diagnose und blendet all diese schwierigen Momente gekonnt aus.
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