Wenn plötzlich alles anders ist

Er ist tot. Gestern saß er neben dir und jetzt ist er tot. Ausgelöscht in einem Wimpernschlag. Dieser wertvolle Mensch, den du einen kurzen Teil seines Lebens begleiten durftest. Der dir eine kurze Zeit deines Lebens mit seiner Anwesenheit versüßte.

Für mich ist es fast immer noch unbegreiflich. Ein so junges Leben, aus dem Leben gerissen. So viel Lebensfreude und Energie. Ein Mensch, der sein Leben noch vor sich hatte und dem man in jedem Moment ansehen konnte, wie er es genoss.

Missing youDer Schmerz ist unendlich, das Loch in den Herzen so vieler Menschen groß. Es ist etwas, was niemals gut werden wird – nur der Schmerz wird langsam, viel zu langsam, abnehmen und wir werden weiter machen müssen mit dem Leben. Denn das letzte was er gewollt hätte wäre, dass wir aufhören zu Leben. Es ist schwer. Die verletzte Seite, die, die ich so lange einschloss und die heute so unendlich heftig reagiert, will sich verschließen, sich zurückgeben, aufgeben: “Wofür lohnt es sich zu kämpfen, am Ende…”

“Nein! Dieser Mensch musste sterben und wenn ‘er schon dieses Opfer bringen musste’, dann soll es nicht umsonst sein!”

“Nur eine Erkältung”… die Leichtfertigkeit, mit der unsere Gesellschaft über Warnzeichen des Körpers hinwegsieht und in der so viel anderes mehr zu zählen scheint als die eigenen Gesundheit ist beängstigend. Es hat diesem so wunderbaren Menschen das Leben gekostet. Ein jähes, unsanftes Aufrütteln – ich werde es nicht nochmals zulassen. Ich will an meiner Aufmerksamkeit arbeiten und auf die Menschen, die in meinem Herzen sind achten. Und ich will auf mich achten, damit den Menschen, in deren Herzen ich einen Platz gewonnen habe, niemals diesen Schmerz erleiden müssen.*

Jeder Tag, jeder Moment meines Lebens ist wertvoll. Wie viele Momente habe ich dadurch verschenkt, dass ich mich grämte, dass ich mich weigerte, Angst hatte, dem Lebens ins Auge zu blicken. Er, der es so genossen hat, kann es jetzt nicht mehr: das Leben leben.

Auf so eine grausame Weise macht mir das Schicksal begreiflich, was eigentlich wichtig ist. Ich mag schreien “Warum??? So ungerecht bist du, wieso nicht ich, der ich eh nicht wertvoll bin! Wieso diesen lebensfrohen Menschen mit all den Träumen??”

Zu tief rührt es mich, bricht meine Wunden, erschüttert alle Mauern, die ich zum Schutz gebaut habe. Dass ich diesen Menschen kennen lernen durfte war ein Geschenk. Und ich mag ihn ehren, ich mag alles dafür geben, dass sein Tod nicht umsonst gewesen ist. Mag ihn in meinem Herzen halten und ein Stück das Leben leben, dass er jetzt nicht mehr selbst leben kann. Mag das Leben weitergeben, es genießen – mit all den Menschen verbringen, die mir wichtig sind.

Mag die Angst hinter mir lassen, die Schutzmauern baut – scher dich zum Teufel! Was ist schon eine kleine oder größere Blamage gegen all das Schöne und Gute, was danach folgen kann? Streit, Verletzungen, Ängste gehen vorbei. Die Zeit, die schöne Zeit, die ich mit lieben Menschen verbringen kann, die ich in einem Umfeld leben kann, in dem ich mich wohlfühle und mit all den Dingen, die mich inspirieren, die mich strahlen und leben lassen – die sollen mein Herz füllen und endlich den die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen zusteht!

Das Leben ist zu kurz und am Ende ist es meine Entscheidung, wie ich diese kurze Zeit nutze. Ich bereue schon die letzten 10 Jahre, die ich im Gram und in Traurigkeit, zurückgezogen und ohne  zu leben** verbracht habe. Am Ende meines Lebens will ich nicht bereuen sonder zurücksehen und “zufrieden” gehen können, weil ich gelebt habe, weil ich ein bisschen von dem geschafft habe, was mir wichtig ist: Die Welt ein klein bisschen zu einem lebenswerteren Ort machen. Ein Ort, in dem Menschen gut mit einander umgehen, in dem Kinder Kind sein können und ihre Phantasie und Neugierde, ihre Liebe und ihr Tatendrang gefördert werden. Eine Welt in der mehr Menschen verstehen, dass es viel schöner und befriedigender ist gemeinsam zusammen, uns langsam aber nachhaltig und unter Rücksichtnahme auf jedes Geschöpf oder Lebewesen (und dazu zähle ich auch die Natur, die Erde, etc…) weiterzuentwickeln. Ein Welt in der die Menschen begriffen haben, dass wir die Macht und die Möglichkeiten haben “The Survival of the Fittest” nicht länger wahr sein zu lassen und trotzdem nicht in Verdummung und Rückschritt versinken.

Dafür mag ich kämpfen – dafür will ich leben. Mit Leidenschaft. Egal, wie steinig der Weg sein mag. Für dich.

*  Oder zumindest nicht bevor ich mein Leben mit ihnen gelebt habe und wir alle wissen, dass mein Zeit in dieser Welt ein Ende finden wird – und es gut ist, weil Platz geschaffen werden muss für das neue Leben!
**  Nein! Da war Leben! Zwar nur wenige, aber da war Leben. Und jetzt möchte ich mehr leben!

Etwas anders machen

Ungeplant, undurchdacht, einfach einen Schritt nach vorne tun. Das Glatteis der Realität, vor der ich mich die Jahre versteckte. Irgendwie versuche ich es, trotz der Angst und trotz der Verwirrung.

Die Vernunft, mein ständiger Begleiter

Das Feedback, welches ich bekomme, ist schwierig zu bewerten. Unverständnis, Irritationen. Selbstverständlich eigentlich, wenn ich mir so überlege, wie verwirrend das “Dahinter” sogar für mich ist, die Person, welche schon seit einer Ewigkeit damit lebt und jetzt bereits seit mehreren Jahren versucht, es zu ergründen.

Irgendwie ist es ein neuer Versuch heraus zu finden, wer ich denn wirklich bin. Und wie ich es schaffe mit der Welt da draußen in Kontakt zu kommen, ohne dass ich strauchele oder in meine bekannten Lösungsmechanismen verfallen,

  • das Funktionieren oder
  • den Rückzug.

Es sind zwei Extreme. Sie haben mich dazu gebracht, dass ich vollkommen verwirrt war und nicht mehr ein noch aus wusste.

Und dann ist da noch dieses andere. Das vollkommene Abhanden Sein einer inneren Stimme, die mich schützt, die mir Gutes möchte. “Hey, pass auf dich auf!”, “Ist doch nicht so schlimm!”, “Du schaffst das schon!” “Du bist es wert!”.

Nach den Momenten, in denen ich etwas “Anders” machte, nachdem ich am Ende alleine war in der Verwirrung und dem gefühlten Misserfolg, da war nichts, was mich stützte. Okay, nichts ist wohl nicht war. Denn die Vernunft ist mein ständiger und zuverlässigster Begleiter.

Der Begleiter, der verhinderte das ich fühle, spürte, den Raum einnahm, den ich mir hätte nehmen müssen, der notwendig gewesen wäre für meine Entfaltung. Ich habe immer verstanden, immer zurückgesteckt. Denn ich war ja ein schlaues und vernünftiges Kind.

Ich war ein einsames Kind, ein sehr trauriges Kind. Hinter dem gut funktionierenden, dem, dass sich vernünftigerweise gut fühlte, weil es ja alles hatte, was es scheinbar braucht.

In dieser Erkenntnis versteckt sich die schwierigste Herausforderung meines Genesungsprozesses. Ich muss und möchte es anders machen. Ich muss fühlen, ich muss zuhören und nachfragen und Raum einfordern. Wenn es doch nur nicht so unendlich schwer wäre, wo die innere Überzeugung, “ich sei irrelevant und es nicht wert”, so tief sitzt und gar nicht locker lassen möchte.

Schwere – Durchhalten – Warten auf Morgen

Ein anstrengender Morgen liegt hinter mir. Gefühle, die ich in den letzten Wochen, Monaten verdrängte, kamen wieder zum Vorschein und nun umwabert mich eine mich fast erdrückende Wolke an Schwermut, Traurigkeit.

Es ist gut so, es war der richtig Ort, an dem sie aus mir heraus krochen, aber leider kann ich nicht von jetzt auf gleich wieder zurück in das hier und jetzt – funktionieren.

Mir ist kalt. Unendlich kalt. Wo ist die Wärme geblieben, die der Frühling mit sich bringen sollte? Wo?

Gleich muss ich wieder weiter. Meine Maske aufsetzen und durch die Welt laufen. Danach eine Herausforderung. Durchhalten, bis ich heute Abend in die Arme des Menschens fallen darf, der mir so viel Liebe schenkt. Und morgen ist ein neuer Tag…

Stöckchen „Ich hab/bin noch nie…“

Tja … ich bin ein ziemlich langweiliger und spießiger Mensch…

Ich habe/bin noch nie…

1. Einen Dreier gehabt.
2. Betrunken gewesen.
3. Eine echte Schusswaffe angefasst.
4. Drogen genommen.
5. Etwas an eine Toilettentür geschrieben.
6. “Spezielle” Photos von mir selbst geschossen.
7. Sex gehabt.
8. An einer Schlägerei beteiligt gewesen.
9. Twitter benutzt.
10. Musik von Lady Gaga gehört
11. Einen Autounfall gehabt.
12. Suspendiert worden (Schule, Ausbildung, Wehrdienst, etc.).
13. Geflogen (Schule, Ausbildung, Wehrdienst, etc.).
14. Einen Computervirus gehabt.
15. Ein handgeschriebenes Tagebuch geführt.
16. Auf etwas allergisch reagiert.
17. Einen Hund besessen.
18. Eine Katze besessen.
19. Schwanger gewesen.
20. Angst gehabt, schwanger zu sein.
21. Ungeschützten Sex gehabt.
22. Im Freien gezeltet.
23. Im Ozean geschwommen.
24. Einen Bikini getragen
25. Jemand aus dem Internet getroffen.
26. Eine Umfrage gemacht.
27. ICQ benutzt.
28. Einen Abschluss nicht geschafft.
29. Ein Jahr wiederholt (schulisch).
30. Eine Sommerschule besucht.
31. Eine schulische Auszeichnung bekommen.
32. Ein Stipendium erhalten.
33. Eine Fremdsprache fließend sprechen können.
34. Ein komplettes Buch gelesen.
35. Eigene Musik aufgenommen.
36. Eine xBox besessen.
37. Musik von Rammstein gehört.
38. Fischnetze getragen (Kleidung).
39. Ausgeblichene Jeans gekauft.
40. Verliebt gewesen.
41. Jemanden gehasst.
42. Betrogen worden.
43. Jemanden betrogen.
44. Einen Lebensgefährten gehabt.
45. Sexuelle Handlungen mit demselben Geschlecht gemacht.
46. Sich als gläubiger Christ bekannt.
47. Makeup getragen.
48. Ein Online-Rollenspiel gespielt.
49. Operiert worden.
50. Den Führerschein gemacht.
51. Studiert haben.
52. Abi gemacht.
53. Versuchter Selbstmord.
54. Farbige Kontaktlinsen getragen.
55. Fingernägel schwarz lackiert.
56. Jemandem das Herz gebrochen.
57. Sein Herz gebrochen bekommen.
58. Eine Stunde lang durchgeheult.
59. Etwas sehr wertvolles verloren.
60. Sex im Auto gehabt.
61. Als Kind von den Eltern getrennt worden.
62. Einen Knochen gebrochen.
63. Von einer Biene gestochen worden.
64. Etwas schlechtes/abgelaufenes gegessen.
65. Von zuviel Alkohol erbrochen.
66. Ein Tier einschläfern lassen.
67. An einer Swingerparty teilgenommen.
68. Einen iPod besessen.
69. Ein iPhone besessen.
70. Ein Stöckchen kreiert und weitergeworfen.
71. Jemandem den Lebensgefährten ausgespannt.
72. Eine Sneak-Preview im Kino besucht.
73. Für mehr als eine Woche verreist.
74. Ausgezogen.
75. Von zu Hause weggelaufen.
76. Bruder/Schwester gehänselt.
77. Den Turnbeutel vergessen.
78. Im Krankenhaus gewesen.
79. Eine Lebensmittelvergiftung gehabt.
80. Gearbeitet (Job).
81. Gefeuert worden.
82. Einen Freund belogen.
83. Ein Familienmitglied belogen.
84. Den Lebensgefährten belogen.
85. Ein Video bei Youtube hochgeladen.
86. Ein Gerücht über jemanden in die Welt gesetzt.
87. Mit Absicht durch eine Prüfung gefallen.
88. Schule abgebrochen.
89. Die Genitalien piercen lassen.
90. Nackt gebadet.
91. Bis eine Million gezählt.
92. Bis Eintausend gezählt.
93. Rehfleisch gegessen.
94. Entenfleisch gegessen.
95. Fastfood gegessen.
96. Zur Kirche gegangen.
97. Eine Synagoge besucht.
98. Geheiratet.
99. Geschieden worden.
100. Eine Scheibe zerstört.

Nehme mit wer wolle und habe Freude daran….

Angst vor der Welt

In Starre gegen die WeltSchwere Müdigkeit. Das Bedürfnis, mich hinzulegen, einfach daliegen, den Tag über mich hinweg laufen zu lassen. Mein heutiger Tag. Ich fühle mich so unendlich müde und weiß nicht, was ich machen soll. Womit ich anfangen soll.

Meine Wochenaufgabe scheint mir unlösbar. Eine Bewerbung möchte ich schreiben. Eine wichtige Bewerbung.

Sofort, wenn ich mich mit diesem Thema auseinandersetze sind wieder die Zweifel da. Und die Uhr tickt. Mit jedem Tag der verstreicht werde ich älter und der Zeitraum, den ich nun „untätig“ zu Hause sitze, vergrößert sich. Es wird schwerer. Ich möchte flüchten.

Ach wenn es doch nur irgendwo Selbstvertrauen zu kaufen gäbe. Realistisch betrachtet sind meine Qualitäten doch gar nicht so schlecht … wenn ich nicht krank wäre … oder mich nicht anstellen würde …

Und doch verharre ich in dieser Starre, diese Starre, die alles nur verschlimmert. Ich möchte an mir selber rütteln, mich anschreien:

Warum bewegst du dich nicht? Warum machst du nicht endlich? Wieso nicht??? Wiesooo verdammt noch mal????

Die Angst, die Unsicherheit ist hinter der erstarrten Maske. Jetzt fühle ich nichts, merke nur die Starre. Ohnmacht.

Ein Schritt zurück. Der Versuch der Besinnung. „Einen Moment„, sage ich mir, „du weißt doch, dass diese Gefühle die Starre nur verstärken. Die Ängste, das erwartete Versagen, self-fullfilling prophecy. Kleine Schritte muss ich gehen, den Weg vor meinen Füßen betrachten und nicht vor dem riesigen Berg weinend davon laufen. Vor jedem Schritt die Hand an das Geländer setzen, welches ich mir doch eigentlich in den letzten 4 Jahren geschaffen haben sollte.

Erinnere dich an den Zuspruch, die Milde, die unterstützenden Worte der Therapeuten, die dich begleiteten und die an dich glaubten, die mit dir arbeiteten und dir so viel beibrachten! Es ist nicht verloren, nur weil du jetzt wieder alleine da stehst. Du trägst es in dir. Du hast die Kraft und die Unterstützung in dir!

Jetzt kann ich die Tränen doch nicht mehr halten. Der Zweifel ist groß. Habe ich die Kraft, das Durchhaltevermögen? Viel schlimmer noch: Habe ich in dieser, mir so kalt und herzlos, ungerecht erscheinenden Welt überhaupt eine Chance? Noch eine Chance?

Woher kommt nur diese unendlich Angst vor dieser Welt (Was stelle ich mir die Frage, ich weiß die Antwort doch nur zu genau.)?

Nur wenn ich die Starre verlasse, kann ich etwas ändern. Sowohl an meiner Angst als auch dieser Welt. Im Kleinen.

Übergang zwischen den Welten

Wenn ich in meiner Welt bin, geht es mir gut. Ich bin zwar gesellschaftlich irrelevant, unproduktiv und bekomme gar nichts auf die Reihe, aber: Es geht mir gut.

Ein eigentlich positives Ereignis zwingt mich nun in die reale Welt zurückzukehren, mich mit ihr auseinander zu setzen. Das Resultat war das Übliche. Obwohl, oder vllt. gerade weil, ich gestern nur langsam in die Realität zurückkehrte, begleitete mich den ganzen Tag eine latente Panik. Nicht wirklich ausgebrochen, dennoch für mich spürbar. Unruhe, falsches Atmen, Panikgefühle …

Wechsele ich schnell zwischen den Welten, bleibt mir gar keine Zeit, dies zu Spüren, bzw. meist bin ich gleich dermaßen eingebunden in meine Umwelt, dass all die Sinne und Gedanken auf das Funktionieren gerichtet sind. Auf Dauer ist das natürlich nicht gut. Denn es bleibt die Überforderung und diese ist mit mein größtes Problem.

Noch immer bin ich nicht ganz gewechselt. Ein Rest bleibt in der Höhle, dem Ort der Geborgenheit, dem Nebel, der alles zulullt. Ich glaube, ich fürchte, ein Teil von mir ist noch nicht bereit, diese  Höhle zu verlassen – und vielleicht sollte ich diesen Teil von mir ernst nehmen.  Das kleine, ängstliche Kind, dass sich nichts zutraut.

Auf der anderen Seite hat die Realität viel zu bieten! Wenn ich es doch nur schaffe, meinen Fokus zu verschieben. Mir erlaube auch die positiven Dinge (vor allem an mir und meinen Leistungen) zu sehen, anzuerkennen, dass ich es war, die diese Dinge bewirken konnte. So könnte ich mein Selbstwertgefühl aufbauen und dem kleinen Mädchen sagen: „Hey Kleine, schau mal, so klein, wie du dich fühlst, bist du gar nicht. Schau, was du alles bewerkstelligen kannst. Und das trotz deiner Krankheit!

Sobald ich in der Realität bin, werde ich unendlich müde. Es ist erstaunlich. Wie kann ich von einem Tag auf den anderen nur so müde werden? Ich weiß, auch hier ist es die Krankheit und die Reaktion meines Körpers auf Ansprüche, die er nicht gewohnt ist. Wie sollte er es gewohnt sein, wenn die andere Welt nur aus einem untätigen, zulullenden Wach-Schlafwandeln besteht?

Und es ist ein Zeichen. Denn in der Realität überfordere ich mich, regelmäßig, manchmal durchgehend. Das hilft mir nicht weiter beim Kampf gegen die Depression. Ich brauche die Pausen und vielleicht noch wichtiger: Ich brauche Zuspruch. Und zwar keinen Zuspruch von außen, sondern einen von mir selbst.

Sorge dich nicht, Kleine, es ist normal, dass du Erschöpft bist, nach deiner langen Zeit im Schlaf! Schau, du bist nicht alleine. Da sind noch all die anderen, die dir beistehen und die viel geleistet haben in der Vergangenheit. Aber sie brauchen dich, damit du hervortrittst und ihnen sagst, dass du auch mal eine Pause haben möchtest, dass du dich um das Essen kümmern musst, um ausreichend Flüssigkeit und Ruhe, jenseits des Computers! Du bist ihre wichtigste Instanz, denn nur du weißt, was du schaffen kannst. Und so, wie du es angehst ist es gut. Du musst doch nicht von jetzt auf gleich alle Berge bezwingen. Wir machen es Schritt für Schritt. Wir schaffen das schon, okay?!!!

Do Not Disturb

Es gibt Tage, Stunden, Minuten, da sollte man mich in Ruhe lassen. Heute ist so einer der Tage. Dem Freund bescheid gesagt, Hoody über den Kopf gezogen und Kopfhörer mit lauter Musik aufgesetzt. Welt, lass mich in Ruhe.

Ich weiß gar nicht, woher das gerade kommt. Ich spüre nur, dass ich gerade extremst aggressiv bin und auf keinen Fall gestört werden will in meiner Welt. Vielleicht ist das der Punkt: Meine Welt. Gestern war ich nicht in meiner Welt – und jetzt leide ich unter Entzugserscheinungen?

Irgendwie … irgendwas

Die SHG tut mir gut. Ich bin froh, dass ich mich überwunden habe, dort hin zu gehen. Ich bin froh, dass ich geblieben bin, trotz des Gefühls fehl am Platz zu sein, trotz des Stresses, den Problemen, die größere Gruppen an Menschen mit sich bringen können.

Eigentlich ist es nicht so viel anderes als das, was ich hier mache – ich erzähle von meinen Gedanken, möglichst ehrlich und lese eure Gedanken. Manchmal entsteht ein Austausch, häufig kann ich meine Gefühle in euren Worten wiederfinden und fühle mich eine kleines Stückchen weniger einsam, weniger verloren.

Doch hier kann ich mich noch recht gut verstecken. Hinter meinem Monitor, hinter dem Blinken des Cursors. Wird es mir zu viel, schließe ich die Laptopklappe und verlasse diese Welt. Das macht es recht einfach – und auch gefährlich – für mich – denn hinter euren Monitoren seid ihr. Meine Leser, andere Menschen, die durch Zufall auf diesen Blog gestoßen sind.

Beziehungen zu Menschen, mein großes Problem. In der SHG muss ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen. Sehe, wie sich Beziehungen entwickeln und bekomme ein Feedback, das so nah ist, dass ich diesem nicht ausweichen kann. Ich sehe die Gefühle und kann mich nicht vor ihnen verstecken, vor ihnen flüchten. Ich lerne, wieder zu spüren.

Ich bin ein kalter Mensch. Meine Gefühle (die, die nach außen dringen, jenseits der Worte) sind verschütt gegangen. In manchen Momenten macht mir dies sehr viel Angst, wenn ich eure Kommentare lese. Alles in mir schreit: „Nehmt mich nicht als Menschen war! Verschwendet bitte nicht einen Funken eurer kostbaren Energie in eine Antwort.“ Dabei habe ich keine Ahnung. Ich weiß nicht, wie es euch geht, wie viel Kraft es euch kostet. In der Realität ist das etwas einfacher, weil ich sehen kann und spüren (Gefühle anderer kann ich leider viel zu gut wahrnehmen).

Hmm.. irgendwie weiß ich gerade nicht, auf was ich hinaus möchte. Die Worte plätschern gerade eher dürftig vor sich hin. Im Moment bin ich gerade nicht unendlich tief bewegt von einem Thema, nicht in mir. Das darf auch mal sein, .. denke ich, oder? Irgendwie fühle ich mich gerade total unkonkret…. verschwommen.

Ein Moment

Und dann überkommt mich die Einsamkeit. Von jetzt, auf gleich. Die Sehnsucht, verstanden zu werden, erkannt zu werden, mich fallen lassen zu können.

„Gut gehen“ trotz Depression?!

Nachdem es mir in den letzten Wochen eher nicht so gut ging, ist diese negative Stimmung seit ein paar Tagen wie weggeblasen. Damit einhergehend auch sämtliche Erinnerung an die Gefühle, an das „wie schlimm es war“. Etwas schockiert war ich, als mir eine Bekannte gestern anvertraute, dass sie erleichtert wäre mich endlich wieder in einem besseren Zustand zu sehen. Ging es mir wirklich so schlecht?

Ich weiß es nicht – nicht wirklich. Ich erinnere mich daran, dass ich mich leer fühlte, hoffnungslos und das es Momente gab, in denen ich lethargisch auf der Couch saß in meiner üblichen Starre, still, bewegungslos, leblos. Ich weiß auch, dass ich mir zu 100% sicher war, dass ein weiterer Klinikaufenthalt notwendig sei.

Inzwischen komme ich mir wieder so gesund vor. So „ich kann alles schaffen, ich muss es nur angehen!“. Und wie schnell kommt dann das schlechte Gewissen: „Ich nehme kranken Menschen einen Klinikplatz weg, simuliere nur, bin einfach nur eine hinterlistige, faule Schlange, die die Gutmütigkeit anderer Menschen ausnutzt!“.

Mein übliches Hin und Her. Die Gefühle, die hochkommen, wenn ich aus der Lethargie erwache und ich mich wundere, was ich eigentlich in den letzten Wochen, Monaten gemacht habe – wo die Zeit hin ist und warum es mir noch einmal so schlecht ging. Mein Freund beschreibt es als eine Art Wellenbewegung. Ich kippe vom einen auf den anderen Moment in einen „Es geht mir gut – oder zumindest normal“-Zustand und fühle mich instantan nicht mehr krank. Mache mir sofort Vorwürfe, beginne eine Sache nach der anderen anzugehen und lande dabei sehr schnell wieder in einer Überlastung.

Ich habe das Thema in der SHG angesprochen so ganz allgemein. Wir haben darüber ein interessantes Gespräch geführt und ich habe (mal wieder) erkannt, wie problematisch es ist, eine psychische Krankheit zu haben. Von außen wird es nicht gesehen und wir Kranken selbst haben u.U. Jahre damit zugebracht möglichst normal und gesund zu erscheinen. Und dann, wenn wir uns eingestanden haben „krank“ zu sein, kommt so schnell das schlechte Gewissen, wenn es uns einmal gut geht.

Eine Therapeutin fragte mich einmal, warum ich mir das besser gehen nicht erlauben würde. Damals, in dem gegebenen Kontext spielte dieses „sonst glaubt mir niemand, dass ich krank bin“ sicherlich eine Rolle. Woran soll ein außenstehender Mensch denn erkennen, dass ich darunter leide, keine Gefühle zu spüren, keine Beziehungen zu Menschen aufbauen zu können und mich manchmal unendlich hilf-, hoffnungslos und leer zu fühlen. Dass in manchen Momenten nichts mehr meine Gedanken fesselt als die Überlegung, endlich verschwinden zu können, die Fäden zu dieser Welt, in der ich mich so unnütz und leer fühle endlich komplett zu durchtrennen. (Nein, ich würde es nicht machen … da sind die Kinder und die Menschen, denen ich viel bedeutet… ich will ihnen diesen Schmerz nicht zumuten!) .

Inzwischen, glaube ich, bin ich so weit, zu akzeptieren und es auch zu vertreten und dafür zu kämpfen, dass es essentiell wichtig ist, dass es uns auch einmal gut gehen darf und dass, nur weil es mal ein paar Tage besser geht – warum auch immer – wir davor nicht simulierten oder uns alles einbildeten. Sie lauert und kaum hört man auf, auf sich zu achten, hat sie einen wieder in den Klauen. Irgendwie muss ich gerade an das HI-Virus denken. Mit den richtigen Medikamenten, guter ärztlicher Behandlung und Achtsamkeit kann man ein ganz normales Leben führen. Jedoch wird dort immer die Immunschwäche bleiben, die den Infizierten angreifbarer macht als gesunde Menschen. Vielleicht hinkt dieses Beispiel ein bisschen … es ist mir nur spontan in den Sinn gekommen.

Mir klingen die Worte meines Bekannten in den Ohren, der mich daran erinnerte, dass es durchaus von Vorteil ist Probleme anzugehen, wenn es einem besser ginge. Ja, wenn ich mich richtig erinnere, haben sie mir letztes Jahr in der Klinik etwas ähnliches erzählt – und auch mein früherer Therapeut vertrat diese Meinung. Geht es mir besser, kann ich viel besser an mir arbeiten. Bin ich viel offener und auch aufnahmefähiger.

Es ist gut, wenn es mir gut geht, und es ist noch besser, wenn ich nicht vergesse, dass die Depression eine Krankheit ist, die viel mehr ist als eine ausgebrochene Krankheit. Dass sie da ist, ein Teil meiner selbst und dass ich mir noch viel Zeit nehmen muss um ihre hinterhältige Natur komplett zu verstehen und gewappnet bin für ihre Angriffe.

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