My Immortal

25Nov09

Es gibt fast kein anderes Lied, welches mein Gefühle gegenüber dieser einen Person besser beschreibt als dieses. Und selbst wenn du da warst, war ich allein … ich habe alles für dich getan. Und noch immer bist du in meinen Gedanken – egal, wie oft ich mich vom Gegenteil überzeugen möchte.


„My Immortal“

I’m so tired of being here
Suppressed by all my childish fears
And if you have to leave
I wish that you would just leave
‘Cause your presence still lingers here
And it won’t leave me alone

These wounds won’t seem to heal
This pain is just too real
There’s just too much that time cannot erase

[Chorus:]
When you cried I’d wipe away all of your tears
When you’d scream I’d fight away all of your fears
And I held your hand through all of these years
But you still have
All of me

You used to captivate me
By your resonating light
Now I’m bound by the life you left behind
Your face it haunts
My once pleasant dreams
Your voice it chased away
All the sanity in me

These wounds won’t seem to heal
This pain is just too real
There’s just too much that time cannot erase

[Chorus]

I’ve tried so hard to tell myself that you’re gone
But though you’re still with me
I’ve been alone all along

[Chorus]


Habe ich mir diese Frage nicht schon einmal hier gestellt? Nun ja. Im Moment taucht sie gerade ganz groß vor meinen Augen auf in Bezug mit diesem Medium, das Medium Internet, dem ich so verfallen bin. Wie schnell und einfach ist man mit der Welt verbunden – aber eigentlich – eigentlich lebe ich hier genauso nebenher wie im realen Leben. Und damit bleibt nur dieses Gefühl „Who cares anyway!“ Ist doch eh egal.

Ich weiß, keine guten Gedanken. Der richtige Zeitpunkt um den Deckel des Laptops zuzuklappen und mich sinnvolleren Dingen zu widmen. Und das ist der Moment, in dem ich es wieder nicht kann. Ich fühle mich einsam. Und indem ich den Laptop und damit die Verbindung zum Internet offen halte, kann ich mir wenigstens einbilden eine Verbindung zur Außenwelt zu haben – nicht alleine zu sein.

Und dann, wenn ich einen Moment innehalte, sehe ich, wie ich mich betrüge.

Scheiße…


Depression

11Nov09

Heute im Bus haben sich zwei Frauen unterhalten, über den Torwart und die Sache mit dem Zug. Irgendwann kamen sie zu dem Punkt an dem sie übereinstimmten, dass Selbstmord fürchterlich egoistisch sei und dass es total lächerlich wäre, dass jetzt alle Welt darüber schreibt, bestürzt ist und trauere, wo doch ständig Kinder verhungern – oder an richtigen Krankheiten sterben. Erkläre doch dem Kind mal, wieso sich der Torwart umgebracht hat.

Diese Diskussion versetzte mir einen Stich und wäre ich nicht ich und wäre ich nicht krank hätte ich wahrscheinlich meine Meinung gesagt, dass es nicht so trivial ist. Mögen sie sich über den Medienhype aufregen, gerne. Es stimmt – warum wird jetzt hier so viel Bohai darum gemacht, wo tagtäglich eine Menge anderer Leute sterben, aber so leichtfertig über den tötlichen Ausgang einer Krankheit zu sprechen, von der sie keine Ahnung haben, ist fahrlässig.

Depression ist eine Krankheit, die genauso wie andere schwerere Krankheiten, tödlich verlaufen kann. Besonders dann, wenn sie ignoriert und nicht behandelt wird, wenn sich der Erkrankte schämt, sich nicht eingestehen möchte, dass er Hilfe braucht, weil er sonst von außen nieder gemacht wird. „Es ist doch so einfach!“ „Reiß dich zusammen.“ „Du brauchst nur ein bisschen Ruhe!“ „Ist doch nicht so schlimm!“ Und genau solche Menschen wie diese Damen senken die Überlebenschancen eines stark Depressiven.

Aber wie sollen sie etwas verstehen, was selbst wir betroffenen nicht verstehen – es ist nicht rational. Die Gedanken, die uns zu den Dingen treiben – es ist nicht logisch. Sie sagen „Wir haben die Wahl!“ – wir selbst denken vielleicht: „Wir haben die Wahl“ doch wenn ich dann zurückblicke stelle ich fest: Ich hatte vielleicht die Wahl, aber die Möglichkeiten die sich mir boten waren nur jene eines kranken Geistes. Und da gibt es häufig nur die Wahl zwischen Schlimmer und Schlechter. Selbst das, was in einem Moment als die optimale Lösung darstellt, ist im nachhinein nichts anderes als ein weiterer Schritt in die falsche Richtung, den Abgrund!!!

Ich habe Jahre gebraucht – fast ein Jahrzehnt – um diese Krankheit zu sehen und sie zu akzeptieren, zu verstehen, dass es bei mir um keine „leichte Sommergrippe“ handelt, die ohne die Hilfe eines Arztes wieder vorbeigeht. Es macht mich wütend zu hören, wie leichtfertig diese Damen über etwas urteilen, wovon sie keine Ahnung haben. Es macht mich wütend, dass wegen Leuten wie diesen Damen so vielen anderen Menschen nicht geholfen werden kann, weil sie nicht mehr die Kraft aufbringen können zu kämpfen, weil sie keine helfenden Hände haben, die sie von der Gesellschaft abschirmen!

Verdammt noch mal, Gesellschaft, nimm es ernst, wenn jemand depressiv ist! Es ist eine tödliche Krankheit!!! Und ihr da draußen, die ihr das Gefühl habt, dass ihr depressiv seid – die ihr das Gefühl habt, keine Zukunft mehr zu sehen, dass euch alles zu viel ist -

Bleibt nicht alleine!!!

Ich weiß, es ist schwer, es tut nicht gut, es ist hart, es kostet Tränen – aber

Es lohnt sich zu kämpfen!!!!!

Und gebt nicht auf, lasst euch nicht entmutigen von den Rückschlägen. Etwas, was sich in so vielen Jahren entwickelt hat, kann nicht von heute auf morgen wieder gut sein! Nehmt euch die Zeit!!


Ein langer Weg

11Nov09
"Pensando." by Hecyra *

"Pensando." by Hecyra *

Was für eine lange Zeit, was für eine schwere lange Zeit, in der ich viel gelernt habe, liegt in der mir. Es ist seltsam nach den Monaten wieder zurück zu kommen, wieder den Browser zu öffnen und zu meinem Blog zurück zu kehren. Ich hoffe, es geht euch gut. Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Sommer!!

Meine Güte, ich glaube, ich habe das Schreiben verlernt. Doch zu allererst: Es geht mir gut – es geht mir besser - und es war die beste Entscheidung für mich, in die Klinik zu gehen!!

Vieles habe ich erlebt, vieles gesehen, vieles gehört. Über andere, doch vor allem über mich und meine Krankheit. Wie schwierig es ist, sie zu akzeptieren und zu akzeptieren, dass ich nicht so kann, wie ich gerne möchte und gnädig mit mir zu sein, Geduld mit mir zu haben.

Gesehen habe ich, wie viel ich schon erreicht habe auf meinem Weg und wie gut für mich, und vielleicht auch mutig, es war, ihn zu gehen – trotz der Gesellschaft und der ständigen Stimme im Hinterkopf, welche mir einredete, ich stellte mich doch nur an.

Froh bin ich über die Menschen, die mich auf meinem Weg begleiteten, die mir so vieles mitgaben: Meine erste Verhaltenstherapeutin, mein jetziger Verhaltenstherapeut, der mir die Möglichkeit gab, mir in einer sehr guten Klinik helfen zu lassen, den (Sport)Therapeuten in der Klinik, besonders jener Therapeutin, die mich in den Einzeltherapiestunden betreute; den Menschen, die ich dort kennenlernen durfte – vorallen jenen in der Gruppetherapie, die mir die Augen öffneten, bezüglich dem wie weit ich eigentlich schon gekommen bin.

Dies alles zeigt mir, welch wahnsinniges Glück ich habe. Meine Umgebung ist für mich da, versteht mich, akzeptiert diese Krankheit und gibt mir die Zeit, die ich brauche. Ich habe gesehen, wie schlimm es ist, wenn dem nicht so ist und wie hilflos und machtlos man selbst ist, wenn die Welt nicht hinter dir, sondern deinen „bösen Stimmen“ steht.

Mehr denn je habe ich auch verstanden, wie unbegreiflich diese Krankheit ist für jemanden, der es nicht am eigenen Leibe erfährt. Durch eine neue Medikamentation, die so sehr viel besser ist als die vorherige, fühle ich mich dass erste Mal seit Jahren handlungsfähig. Ich weiß nicht ob ihr nachvollziehen könnt wie befreiend es ist, nicht ständig gegen irgendwelchen Druck zu arbeiten, gegen Ängste, Panik, und Tausende von durcheinander klingenden Gedanken, die sich ständig widersprechen.

Dennoch bin ich mir bewusst, dass es trügerisch sein kann. Zwar fühle ich mich gut, doch die Krankheit ist nicht verschwunden – ich muss stark darauf achten, nicht in die alten, schädlichen Verhaltensmuster zu fallen. Ich muss auf mich achten. Mehr denn jeh, gerade jetzt – Schritt für Schritt, nichts überstürzend, um das, was ich während der Zeit in der Klinik erreicht habe nicht wieder zunicht zu machen.

Drum hoffe ich, dass mir das Glück noch ein weiteres Mal hold ist und mir hilft, einen guten tiefenpsychologischen Therapeuten zu finden. Denn da ist noch was, tief in mir – und ich kommen mit der Verhaltenstherapie nicht daran heran. Es liegt mehr im Kontakt mit meinem Gegenüber, den Beziehungen… und dem Kontakt mit mir selbst.

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* Attribution: http://www.flickr.com/photos/hecyra/ / CC BY-NC-ND 2.0


hiding by robert madeira *

"hiding" by robert madeira *

Eigentlich ist es immer wieder das Gleiche. Irgendjemand kontaktiert mich, ich fühle mich unwohl, ich ziehe mich zurück, ich fühle mich einsam, ich glaube, dass keiner mich mag. Dieser Kreislauf kehrt regelmäßig wieder und noch weiß ich nicht, wie ich ihn unterbrechen kann.

Es ist mir peinlich unter Menschen zu gehen. Ich bin nicht bereit dazu. Solange ich noch nicht alles auf die Reihe bekommen habe kann ich mich einfach nicht blicken lassen unter der (Achtung Denkfehler) Menge an schönen, erfolgreichen, interessanten und dynamischen Menschen. Ich schäme mich für mich.

Das Bewusstsein, dass obrige Gedanken reinster Bullshit sind hilft mir leider gar nicht weiter. Etwas wie unsichtbare Fesseln hält mich zurück – bl0ß nicht noch mehr blamieren – bloß nicht zeigen, dass man ein Mensch mit Fehlern ist, der eben nicht alles unter Kontrolle auf die Reihe bekommt.

Je mehr ich diese Gefühle realisiere und zulasse,  desto schlimmer wird der Selbsthass und die Hoffnungslosigkeit. Da sehe ich die Spirale, die mich nach unten zieht. Vermeidung, fehlende Bestätigung, intensivere Vermeidung – es führt zur Selbstaufgabe.

Rausgehen sollte ich, ja – ich weiß. Unter Menschen muss ich. Aber ich kann nicht. Es ist so anstrengend und in jedem Gesicht, in jedem Kopf sehe ich die Häme, den Spott. Belächeln kann man das fette Ding, welches nichts auf die Reihe bekommt. Schon fast ein Jahr fertig ist mit dem Studium und immer noch keinen Job?!! Faul, dumm, seltsam, … Die Palette an Vorwürfen ließe sich beliebig fortsetzen.


Damit ihr vielleicht mal eine kleine Idee davon bekommt, was ich gerade mache:

Ziele

Grob vorsortierte Therapieziele

In den letzten Wochen habe ich alle meine Blogeinträge, die sich mit privaten Dingen beschäftigen nach kritischen Momenten und Problemen durchforstet und dazu in zwei Dateien Anmerkungen dazu gesammelt.

In Datei Nummer eins habe ich einfach Statements gesammelt, die als Ziele für den Klinikaufenthalt bzw. die weitere Therapie dienen könnten. Hierbei habe ich keinerlei Vorauswahl getroffen und auch nicht auf Doppelnennungen geachtet.

Parallel dazu habe ich eine zweite Datei mit ausführlicheren Anmerkungen und Gedanken erstellt, die mir bei der Aufstellung der Therapieziele im Kopf herum gespukt sind. Diese enthalten vor allem weitere Erläuterungen zu den Zielen.

Die Therapieziele habe ich anschließend ausgedruckt und ausgeschnitten. Und auch schon mal grob vorsortiert. Ich möchte das Ganze in eine Ordnung bringen, so dass sich für mich ein besseres Bild ergibt und ich auch die Zusammenhänge sehe. Später kann ich die Ziele dann hoffentlich in eine kompaktere Liste zusammenfassen und sie meinem Therapeuten (bzw. in der Klinik) präsentieren – auf dass wir die Probleme hoffentlich angehen können.

Abgesehen davon, dass es fürchterlich anstrengend ist und ich emotional durch heiße und kalte Phasen gehe, kann ich mich an der Struktur der Planung ganz gut festhalten. Falls es zu schlimm wird, schalte ich alles aus und gehe nach Schema F vor, ohne mir selbst Aufmerksamkeit zu schenken (Nicht toll, ich weiß, aber funktioniert für die Aufgabenstellung).

Ich hoffe sehr, dass mich das weiterbringt. Ich merke auf jeden Fall, dass die Dinge, die jetzt dort stehen zu der Kategorie „hier wird es schwierig“ gehören. Und das sind genau jene Dinge, die ich angehen muss um von meinen Dämonen und der Depression loszukommen.

Ich glaube, ich muss in einem kontrollierten und geschützten Umfeld die Kontrolle verlieren, loslassen und mich all den schmerzhaften Dingen annähern, damit ich von dem, was mich jetzt bessessen hält loskomme. Solange ich kontrolliere, manipuliere und alles was rauskommt filtere werde ich nicht an meine eigentlichen Gefühle kommen und damit auch nicht in der Lage sein, Gewesenes zu verarbeiten.


Nein!

02Aug09
Haunted By Your Ghost by King Chimp

"Haunted By Your Ghost" by King Chimp *

Schon wieder fange ich damit an. Wieder vergleiche ich mich mit anderen. Sehe, wie gut sie mit einer Situation umgehen, wie sie ihr Leben auf die Reihe bekommen und mache mich selbst fertig. Und dann starte ich wieder, wie ein blindes Huhn wahllos hinterher rennen zu wollen, ohne mir Gedanken über die Richtung zu machen. Blinder Aktionismus.

C. wird nächste Woche in die intensive Bewerbungsphase eingehen. Das macht mich neidisch, vor allem weil ich sehe, dass sie mit ganz ähnlichen Problemen wie ich zu kämpfen hat (was die Angst und das Trödeln angeht) und sie bewältigt. Innerlich drängt alles in mir dazu, endlich aufzustehen und mindestens gleich zu ziehen? Ich kann doch nicht so versagen! Ich kann nicht schlechter sein als sie.

Blödes Vergleichen.

Ihr Weg ist ihr Weg und er hat nichts mit dem meinen zu tun! Ich darf nicht schon wieder weitergehen ohne Dinge geklärt zu haben. Es ist wichtig für mich. Diese Pause ist wichtig für mich. Innehalten und überlegen, was ich will und was ich brauche, um es umzusetzen.

Dazu kommen die Gespräche mit meinem Freund. Über die Zukunft, über unser Potential, über das, was wir können, was wir gelernt haben. Die Dinge, die wir wohl automatisch in unserem Studium mitbekommen haben und die uns eventuell für Dinge qualifizieren, denen wir uns emotional nicht gewachsen fühlen.

Wenn wir darüber reden, sehe ich die Chance, die Möglichkeiten und würde am liebsten losrennen. Will ich doch mehr – mag ich es doch allen zeigen. Ihnen beweisen, dass ich etwas besseres kann, etwas besseres bin. Dass ich alle überflügeln kann.

Aber diese Seite meines Ich’s vergisst, dass ich damit weder glücklich werden würde, noch dass ich es überhaupt erreichen könnte. Nicht, solange es nicht mein Weg ist. Solange ich mich dafür entscheide und nicht irgendwelche Trotzinstinkte mich dahin treiben.

Und die Gewissheit „Wesentlich mehr erreichen zu können, wenn ich mir nicht selbst im Wege stehen würde!“ macht es nicht einfacher. Moment – ist es wirklich eine Gewissheit? Vielleicht …

Es macht keinen Sinn mehr darüber zu grübeln…

Ich habe Wichtigeres zu tun.

Die Ziele für die Klinik sind viel viel wichtiger! Denn ich möchte etwas ändern und ich möchte die Problem angehen und diesen ganzen Psychoterror, den mein Ego veranstaltet irgendwann einmal ad akta legen können!!! Dafür kämpfe ich – dafür nehme ich mir jetzt verdammt noch mal die Zeit.

Auch wenn es sich so anfühlt als ob alle sich weiterentwickeln, die Welt sich weiterdreht und ich zurück bleibe – dem ist nicht so! So viel hat sich schon verändert in den drei Jahren der Therapie und auch jetzt entwickle ich mich weiter mit jedem Tag an dem ich an mir arbeite. Und es ist so viel Wichtiger für meine Zukunft es jetzt zu machen - ich will nicht nochmal so zusammenbrechen wie vor drei Jahren!!! Ich möchte mein Leben in die Hand nehmen und aus meinen Fehlern lernen, auf dass ich vielleicht irgendwann die ganze Last, die ganz Sorgen und Ängste von meinen Schultern schmeißen kann!!!

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* Attribution: http://www.flickr.com/photos/33122834@N06/ / CC BY 2.0


Warum reagiere ich so komisch, wenn ich erfahre, dass eine Freundin sich plötzlich für die gleichen Bücher interessiert wie ich – wenn sie sie list und sogar gut findet? Sollte ich mich nicht freuen? Endlich jemand, mit dem ich über die Bücher diskutieren könnte.

Anstatt dessen, dieses komische Gefühl. So als ob mir jemand etwas weg nimmt. Meine Bücher. Etwas, was mich auszeichnete. Dinge, die mir wichtig sind und die glücklicherweise niemals Gegenstand einer Konkurrenz werden konnten.

Jetzt nicht mehr. Ich habe Angst. Ich habe Angst, dass mir die Träume und Utopien, die an diesen hängen, zerstört werden. Dass es nieder gemacht wird – oder noch schlimmer: Dass andere es „besser beherrschen“.

fear by chandrika221*

"fear" by chandrika221*

Albern, nicht wahr? Wie kann man so etwas subjektives wie Geschmack bei Büchern als „besser beherrschen“ auch nur annähernd in eine Kategorie „besser beherrschen“ schieben?

Aber je mehr ich versuche es zu zulassen, und darüber nachdenke. Es ist diese Angst und die Angst ist essentiell. Ich habe Angst, diese Dinge zu verlieren – mich damit wieder ein wenig zu verlieren. Gepaart mit dem Gedanken, dass ich es „eh nicht richtig machen kann“ bin ich darauf angewiesen, Dinge „nur für mich“ zu haben. Weil ich sowieso immer den Kürzeren ziehe.

Dieser Gedanke tut weh – und ein wenig (mehr) Wahrheit muss auch darin stecken. Endlich – mal wieder Tränen, die es an die Oberfläche schaffen.

Ich fühle mich nicht in der Lage mich zu behaupten – diese Fähigkeit ist vollkommen unterentwickelt. Ich kann keine Meinungen vertreten – nicht gegen einen anderen Menschen. Vielleicht habe ich eine andere Meinung, aber … sie bleibt bei mir.

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn, und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Rainer Maria Rilke

Und ich kann nicht mit der Bestimmtheit von vielen Menschen umgehen. Wie Gewehrkugeln prallen die Worte auf meine Seele und verletzen sie. Es ist mir noch nie wirklich so bewusst geworden. Es ist wirklich extrem unangenehm für mich mit Menschen zu reden, die so bestimmt sind. Diese Intensivität der Worte, sie macht mich wehrlos. Darum ziehe ich mich dann zurück, verstecke mich in mir selbst. Es macht mir Angst.

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* veröffentlicht unter einer Creative Commons Lizenz (by-nc-sa)


Gedankenfetzen

29Jul09
Im a young one stuck in the thoughts of an old ones head. (205) by whatmegsaid

"I'm a young one stuck in the thoughts of an old one's head. (205)" by whatmegsaid *

Ich sollte stolz sein.

Bin ich nicht.

Ich sollte leben.

Mach’ ich nicht.

Ich sollte unter Menschen geh’n,

Will ich nicht.


Aus mir spricht eine Menge Trotz und „Ich weiß es nicht!“.

-

. Ich darf auf keinen Fall vergessen den Therapeuten wegen der Mail zu fragen. Bedeutet aber auch, dass ich nur noch 2 Tage habe um die Therapieziele und all die Gedanken zu ordnen.

. Ich fühle mich lächerlich. C. hat mir heute davon erzählt, wie mühseelig es für sie ist, sich nicht aufraffen zu können. Ihr geht es wie mir. Und dennoch bekommt sie ihr Leben geregelt. Für sie ist sie ist es auch nicht besonders leicht.

. Gestern hatte ich ein Telefonat mit D. Sie hat immer noch kein Vordiplom. Verwundert mich nicht wirklich. Warum ist sie nicht bei der Kunst, bei den Medien geblieben? So viel verschwendetes Talent. Hoffe, dass sie ihr Leben auf die Reihe bekommt. Ich kann ihr nicht helfen, sie würde es nie einsehen – wir sind zu unterschiedlich.

. Der Unterschied zwischen den Daheimgebliebenen und den Davongezogenen ist manchmal eklatant. Wenn ich D.’s Erzählungen lausche – ist dort die Zeit stehen geblieben? Wie vor 8 Jahren – die gleichen Leute, die gleichen Probleme. Welche Zukunft?

. Mache ich es besser? Ich lebe nicht – ich – warte. Dabei geht es mir eigentlich ganz gut – keine Konfrontationen, keine Ängste. Lasst mich schlafen.

. Ich bin müde. Vorgestern bis 4Uhr, gestern bis 2 Uhr wach gewesen und heute um 7 vom Kater aus dem Bett geschmissen worden. Recht so. Ich muss morgens früher aufstehen.

. Ich kann mit C. nix anfangen.Wir haben keinerlei ähnliche Interessen. – Lange haben wir uns darüber unterhalten, dass wir den gleichen Wissens- und Weiterkommensdrang haben, Idealisten sind und definitiv etwas bewegen wollen. – Ihre Erzählungen langweilen mich und ich langweile sie mit meinen. Warum waren wir nochmal befreundet?

. Morgen ist Donnerstag

. Ich bin kein guter Freund – habe es aber immer gedacht. Nein, ich war nur ein guter Freund für jene, die mir keine guten Freunde waren. Oder so.

. Was war nochmal der Sinn des Lebens?

. Warum müssen so viele Kinder leiden?

. Fliege von rechts hinten

. Müde

. :(

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* Veröffentlicht unter einer Creative Commons Lizenz (by)


Calvary Cemetery (Evanston) by ChicagoGeek *

"Calvary Cemetery (Evanston)" by ChicagoGeek *

Jetzt ist einmal wieder so ein Moment in dem ich mich fürchterlich einsam, wertlos fühle. Ich merke, dass ich ständig darauf warte, ob nicht vielleicht eine neue Mail, ein neuer Kommentar kommt, die mich irgendwie mit der Außenwelt verbinden. Am Besten natürlich in Form einer Frage, die ich beantworten kann – mich dabei völlig auf die „perfekte“ Antwort konzentrierend. Oder aber ein Lob, dass meine Antwort doch so geholfen hat.

Ich fürchte, ich bin von diesen Komplimenten oder zumindest dem Wissen, dass ich mein Bestes gegeben, habe ein wenig abhängig. Und es ist so ungesund. Und so nutzlos. Ich kann darauf nicht mein Selbstvertrauen aufbauen.

Irgendwann einmal in der Vergangenheit stellte ich bereits fest, dass ich sehr nach Anerkennung strebe, weil ich diese fälschlicherweise für ein Zeichen halte, dass ich geliebt werde. Dieses Bedürfnis ist tief verwurzelt. So selbstbewusst ich vielleicht in meinem Leben gewirkt haben mag – ich brauchte immer irgendeine Form der Bestätigung. Vielleicht nicht immer die offensichtliche, nein, eher im Gegenteil.

Ich habe mir immer Fixpunkte gewählt, Menschen an denen ich mich gemessen habe. Und wenn ich in diesem Vergleich – in irgendeinem Bereich gut Abschnitt war mein Weltbild okay. Schlimm wurde es, wenn mich diese Menschen auch noch in denen (in meinen Augen recht wenigen Punkten) ausstichen, die eigentlich meine Expertise waren. Natürlich freute ich mich oberflächlich für diese (ja, es waren immer) „Freunde“. Aber innerlich zerbrach etwas in mir.

Es war mir immer so wichtig, wenigstens in irgendetwas besser (für mich gleichbedeutend mit besonders, außergewöhnlich) zu sein. Ansonsten war ich doch immer so fürchterlich normal mit dem Makel der falschen „Klasse“ (Ich weiß, es ist albern, ich bekomme das Klassendenken nicht aus meinem Kopf – in meiner Heimatstadt war das aber auch einfach irgendwie so – da gab es die Neureichen, die Arbeiterkinder, die Heimkinder und Nichtmuttersprachler).

Und der elitäre Freundeskreis, der mich so reizte und in dem ich zwar war, aber von den meisten nur von oben herab betrachtet wurde. Die Sprachniete, der Naturwissenschaftler, der Computernerd unter den Literaten, den Sprachbegabten, den Wortkünstlern. So viel habe ich zwar gelernt in dem verzweifelten Versuch anerkannt zu werden, doch bin ich immer wieder gescheitert. War maximal das Unterhaltungsobjekt, welches für die Momente genutzt werden konnte, wenn so gar nichts anderes zu tun war.

Diese Erinnerungen sitzten fest in meiner Seele. Letztendlich ist es nur eine Wiederholung der Tatsache, dass ich immer versuchte so toll zu sein wie meine Geschwister, welche mir so viele Jahre vorraus waren und sind. Manchmal habe ich das Gefühl, nichts schaffen zu können, wenn dort nicht ein Mensch ist, den ich niemals erreichen kann. Aber für welchen Preis bringt es mich zu Leistungen? Ich bin dem nicht mehr gewachsen. Habe ich es doch die letzten Jahre im Studium gesehen. All die gesunden, intelligenten Menschen, welche Sport, Sprachen, Hobbies, Reisen und Begeisterung für ihre Studien so einfach vereinten.

Zu viele Gedanken in meinem Kopf … vielleicht kann ich sie mit dem Regen davon spülen …

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