Leben in Starre
Habe jetzt endlich auch mal ein Buch über Borderliner gelesen um mir selbst eine Meinung zu bilden. Da mein Therapeut ja immer nur recht vage war in seiner Anamnese und sich gerade bezüglich der Persönlichkeitsstörung eher – ich möchte nicht schreiben unsicher, aber das ist wohl doch ganz zutreffend – unsicher war, wollte ich mir einfach selbst ein Bild machen. Und diesmal mehr als Zusammenfassungen, die ich im Internet finde.
Das Buch zu lesen war schon sehr erhellend. Am Anfang war ich ziemlich betroffen – vor allem, als ich feststellte, dass ein paar der Dinge, die ich erlebe und die ich so nie in Beziehung zu meinem „Zustand“ gebracht habe, tatsächlich „unnormal“ sind.
Hauptsächlich bezieht sich dies auf die Momente, in denen ich mich quasi körperlich von meiner Außenwelt abgekoppelt fühle. Oder in denen sich alles irgendwie „wegzubewegen scheint“ und gleichzeitig immer größer wird (Sorry, ich kann das nicht besser beschreiben – ich weiß, es ist unlogisch, aber so empfinde ich es in den Momenten). Jetzt weiß ich wenigstens, dass es sich bei einem solchen Phänomen um eine Derealisation handelt, sicherlich nützlich für spätere Gespräche mit Therapeuten & Co.
Naja … je mehr ich dann aber von dem Buch gelesen habe, desto weniger fühlte ich mich betroffen. So krass ist das bei mir doch alles gar nicht – zumindest sehe ich es selbst – in diesem Moment – nicht. Auch wenn ich lese, wie es euch so geht – „eigentlich habe ich doch alles unter Kontrolle„.
Ok, ich ignoriere bei dieser Aussage vollkommen, dass ich den aktuellen Zustand und das „mir geht es eigentlich ganz gut“ nur dadurch halten kann, dass ich nichts mache und manche kritischen Momente nur dadurch bewältige, dass ich sie aussitze – dass ich so lange in eine Starre verfalle (im besten Fall schlafend), bis sämtliche Gedanken und Impulse vorrüber sind und ich wieder einigermaßen klar denken kann.
Und das funktioniert auch nur solange ich keine Aufgaben zu erledigen habe, die mit Dingen zu tun haben, mit denen ich nicht umgehen kann. Zwar kann ich mich schon fast nicht mehr an die Gefühle in der Situation erinnern, jedoch daran, dass meine Reaktion auf das Suchen von Stellenanzeigen, die für mich geeignet sind, sehr heftig war. Damit kam ich nicht klar – da waren dann auch wieder die Vorstellungen von [Achtung Trigger-Gefahr] dem aufgeschlitzen Arm und der Wohltat, die es mir bringen könnte, wenn ich doch endlich meinen Kopf gegen die Wand hauen könnte.[/Trigger-Ende] Und die Aggressionen, die Unruhe und das Gefühl davon rennen zu müssen, Wahnsinnig zu werden.
Ich halte es auch nur begrenzt unter Menschen aus. Gestern hat eine Freundin zur Schools-Out-Party aufgerufen. War eigentlich ganz nett. Wir haben im Park gesessen und gegrillt. Aber irgendwann, als die Bierlaune der Mitfeierer stieg und alles ausgelassener wurde – fing mein Kopf mehr und mehr an zu revoltieren. Aber die letzten drei Tage waren sowieso heftig. So viel unter Menschen, dann auch noch Familie. Die macht sowieso, dass ich mich unwohl fühle.
Nach Zeit mit meiner Familie mag ich am liebsten weglaufen, den Kontakt mit allen abbrechen – nur damit ich mich nicht mehr rechtfertigen muss, dass sie sich nicht mehr für mich schämen müssen.
Und der Kontakt mit anderen Menschen? Es macht mich fertig, dass ich mit ihnen nicht klar komme. Ich brauche und wünsche mir so sehr Freunde und Bekannte, aber ich kann es einfach nicht. Es funktioniert einfach nicht.
(. Ich bin und bleibe die Spaßbremse, dass neunmalkluge Etwas, dass mit seiner Weltsicht i.d.R. alle Menschen verstört – im besten Falle ignorieren sie mich. Wäre ich jemand anderes, ich würde mich auch nicht mögen.
Hmpf …
Mein Freund ist im Kino. Die sollten bald wieder kommen. Vielleicht auch nicht. Keine Ahnung, was ich bis dahin mache. Irgendetwas ungefährliches. Doof ist, dass ich so langsam keinen Nerv mehr habe, dauernd fernzusehen. Mit jeder Minute, die ich mich mehr betäube stirbt mehr Potential, welches ich vielleicht mal hatte. Ich hasse das so sehr. Ich hasse es alles so sehr. Warum ändere ich es nicht einfach? … Verdammt …
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* Bild veröffentlicht unter einer Creative-Commons-Lizenz (by-nc-sa)
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Wie heisst denn das Buch?
lg
Das war Leben mit einer Borderline-Störung – Ein Ratgeber für Betroffene und ihre Partner